Desertieren Sunniten der Regierung und Armee Assads?

Glaubt man der Mainstreamberichterstattung könnte man denken, dass Syrien nur noch von der Minderheit der Alawiten getragen wird.

Hier paar Fakten, die dagegen sprechen:
1. Mindestens folgende Minister bzw. hochrangige Funktionäre sind Sunniten:
– Walid al-Muallem, Aussenminister
– Faisal Miqdad, Vizeaussenminister
– Wael Halqi, Premierminister
– Farouk al-Sharaa, Vizepräsident
– Fahd Jassem al-Freij, Verteidigungsminister und Vizegeneralstabschef
– Ali Mamluk, Geheimdienstchef
– Mohammad Ibrahim al-Shaár, Innenminister

Hier paar Fakten zum Desertationsstand bei der syrischen Armee:
1. „the absence of mass army defections shows there are “still a sufficient number of Sunni Arabs throwing their lot in with the regime.”“
2. „“Of the officers above rank of colonel, I estimate that two thirds are not Alawites,” White says.“
3. „it is puzzling to observers that regular divisions which “are even more heavily Sunni” have not broken ranks.“
4. “A division is made up of many battalions. Why hasn’t one battalion defected and just gone over to the other side?” asks White.
5. „there are about 1,200 brigadier generals in the Syrian army, and only about 40 have defected. In contrast, there are only about 100 senior-ranking generals, all of who remain loyal.“

This is despite billions of dollars reportedly pledged by Saudi Arabia, Qatar and Kuwait to encourage high-level defections, according to a Gulf-based diplomat.

tribune.com.pk/story/419680/defections-harry-syria-regime-but-core-intact-analysts/

Offenbar hält mindestens ein Drittel der sunnitischen Bevölkerung zu Assad (was nicht bedeutet, dass die anderen zwei Drittel zwangsläufig für die Rebellen sind): „Assad has effectively prevented the full unification of the Sunnis against him. According to different reports, up to a third of the Sunni population, particularly in the large cities, still supports him. While their precise number and motivation is very difficult to determine, a Syrian rebel who recently spoke to Asia Times Online confirmed that he and his comrades were frequently fighting against other Sunnis.“
http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/OA05Ak04.html

Update – 29.05.2013
“There are a lot of senior Sunni officers who are still in the Syrian army and security institutions,”
A militant in Deir al-Zour told me, “Until now, the majority of the Syrian army (around 60%) are Sunni.”
http://www.al-monitor.com/pulse/politics/2013/05/syrian-conflict-failed-sectarian-analysis.html#ixzz2UiWQhTc

Syriens Rebellen begehen vielfältige und verheerende Terrorakte

Die bedenkliche Unterstützung, die die syrischen Rebellen durch westliche Politiker und Medien erhalten wäre nur nachvollziehbar, wenn diese schwer bewaffneten Milizen eine freiheitliche, Menschenrechte respektierende Agenda verfolgen würden. Das jedoch ist nicht im entferntesten erkennbar. Die unzähligen bestenfalls lose verbundenen Rebellenverbände bestehen nicht nur aus Syrern, sondern aus hasserfüllten ausschliesslich religiös motivierten Kämpfern aus 29 verschiedenen Ländern:
http://news.antiwar.com/2012/12/20/un-syrias-rebels-come-from-29-countries/

Der Versuch der USA und ähnlich gesonnener westlicher Massenmedien die syrischen Rebellen von den ihnen angelasteten Vorwürfen schwerer Verbrechen rein zu waschen (indem beispielsweise die Al-Nusra Front als „Terrororganisation“ eingestuft wurde) ist aus 2 Gründen kläglich fehlgeschlagen:
a) Diverse andere Gruppierungen wie u.a. die „Ahrar al Sham“, „Ghuraba al Sham“ oder „Liwa al Tawheed“ unterscheiden sich in der Wahl ihrer Mittel und Rhetorik kaum von der Al-Nusra Front
b) Eine Vielzahl verschiedener Rebellengruppierungen solidarisierten sich mit der Al-Nusra Front und protestierten gegen ihre Bezeichnung als Terrororganisation:
http://news.antiwar.com/2012/12/11/syrian-rebels-pledge-allegiance-to-al-qaeda-linked-group/

Das gleiche tat auch der frisch gekürte Chef der syrischen Opposition Moaz al-Khatib:
http://landdestroyer.blogspot.co.uk/2012/12/us-backed-syrian-opposition-demands.html

Insofern ist es nur Augenwischerei und Wunschdenken, die Al-Nusra Front als „Bad Bank“ der syrischen Rebellen herauszupicken und so zu tun als ob die breite Mehrheit der Kämpfer säkular-demokratische freiheitlich-zivilisierte Ziele verfolge.

Im folgenden sind einige der Handlungen der Rebellen aufgeführt, die jeden nachdenklich machen sollten, der noch bedingungslos daran festhält, dass diese Kräfte um jeden Preis dabei unterstützt werden sollten, in Syrien die Macht zu erlangen:

Al-Nusra Milizionär exekutiert syrische Soldaten:
http://breakingnews.sy/en/article/9655.html?m=0

Beispiel für Industrie- und Infrastrukturterrorismus durch die Rebellen:
http://syrieninfo.blogspot.de/2012/12/terroranschlag-auf-stromversorgung.html

Sprengung von Gaspipeline, die E-Werke versorgt:
http://abcnews.go.com/International/wireStory/international-envoy-warns-failed-state-syria-18095595#.UOTEzqzxH8s

„Ermordungen, Entführungen und Erpressungen all derer, die nach wie vor im Dienste des Systems stünden, zählten spätestens seit Ende vergangenen Jahres zu den wichtigsten Taktiken der Rebellen in Syrien“
http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/syriens-wirtschaft-im-visier-der-rebellen-1.17318676

Von Saudi Arabien propagierte geistige Krankheit „Salafismus“ infiziert syrischen Mann in Aleppo, der seine Frau deshalb tötet, weil sie mit Assad sympathisiert. Das sind die moralisch-ethisch überlegenen syrischen Oppositionellen, die Assad ersetzen sollen:
http://www.dailystar.com.lb/News/Middle-East/2012/Dec-19/199155-syrian-man-shoots-dead-russian-pro-assad-wife.ashx#axzz2FWzMo88r

Beispiel für gezielte Attacken auf (Pro)Regime-Journalisten durch Rebellen: „Rebels reportedly kill Syrian TV cameraman near Damascus“
http://www.timesofisrael.com/rebels-reportedly-kill-syrian-tv-cameraman-near-damascus/

Beispiel für die systematische Zerstörung syrischer Kulturgüter und städtischer Infrastruktur:
„Weeks ago, most of the souk – the living pulse of Aleppo for centuries – was set on fire and destroyed by the „rebels“ of the so-called Free Syrian Army (FSA).“
www.atimes.com/atimes/Middle_East/NL22Ak03.html

Systematischer Diebstahl und Plünderung privaten und staatlichen Eigentums durch die Rebellen:
http://www.guardian.co.uk/world/2012/dec/27/syrian-rebels-scramble-spoils-war

Attacke auf Elektrizitätswerk: „An attack by Syrian rebels on an electricity pylon on Friday caused a power outage in several areas of Damascus“
http://blogs.aljazeera.com/topic/syria/rebel-attack-cuts-damascus-power-syrian-state-tv-says

Auch vor Krankenhäusern machen die Rebellen nicht halt. Erstere werden – da sie zuvor vom verhassten Staat betrieben wurden – „gereinigt“, was neben der Zerstörung von Gebäuden und Material, sowie Gefährdung bis hin zur Tötung von Patienten auch die bedeutet, dass Ärzte und Personal in Mitleidenschaft gezogen werden.

Dann sind da die Attacken der Rebellen auf dichtbesiedelte Palästinenser-Flüchtlingsläger. Gemäss der Logik der Rebellen sind diese Läger mindestens teilweise legitime Ziele, da die dort aktiven Fraktionen der PFLP-(GC) (Ahmed Gibril) wegen ihrer Pro-Regime-Haltung „Komplizen“ des Assadregimes seien. Die Medien berichten dann mit geheucheltem Mitleid über die Misere der dortigen Bevölkerung, wenn die syrische Armee bei der Bekämpfung der eingedrungenen Rebellen bedauerlicherweise auch Zivilisten tötet, ignorieren aber geflissentlich, dass Tod und Verderben die Zivilbevölkerung – analog zum Schicksal der Bewohner Aleppos – erst befielen, als die Rebellen die Wohngebiete betraten.

Es hat nichts mit Propaganda der syrischen Regierung zu tun, wenn man Attacken auf Elektrizitätswerke, Gasleitungen, Zugschienen, Fabriken und ihre Arbeiter oder auch auf Krankenhäuser (oft von den Rebellen als „Befreiung“ bzw. „Bereinigung“ dieser Einrichtungen bezeichnet) Terrorismus nennt.
Stundenlange Stromausfälle in einem Land der dritten Welt bedeuten Tonnen von verdorbenen Lebensmitteln, das Nichtfunktionieren von medizinischen Geräten in privaten Haushalten, den Verlust von Warmwasser und Heizung, totalen Stillstand bei Fabriken und Firmen und vielfach auch eine starke Gefährdung von Krankenhauspatienten, wenn die Notstromaggregate nicht vorhanden sind oder nur eingeschränkte Kapazitäten haben.

Three-level proxy war in Syria

the NATO+GCC (mainly Saudi Arabia and Qatar) support structure for the syrian rebels has three depth levels based upon different, underlying agendas:
1. Destroy the Assad regime to weaken Iran and break the „shia-axis“ (Iran-Iraq-Syria-South Lebanon). The Main driver of this agenda is Saudi Arabia that even during Israel and Hezbollahs 33days war in 2006 criticized the lebanese resistance movement and together with Hosni Mubarak and King Abdullah of Jordan has been warning of a Shia crescent for years.
2. Destroy the Assad regime to neutralize Syria as the sole remaining nieghbour of Israel that has not officially made peace with Israel and has been a major supporter of palestinian and lebanese resistance. The destruction of Syria as regional power begun already in 2005 when Lebanons Hariri was murdered and western politicians and media immediately blamed the Syrians which finally led to the Syrian Armys departure from Lebanon. One year later Israel attacked Lebanon and with the exception of Hezbollah the regular lebanese armed forces did not defend the country. It is crystal clear that Hariris murder very well suited Israels plans and not at all brought any advantages for the Syrian. This aim of Syrias regime change is on the agenda of Israel and the US and also serves Saudi Arabia who welcomes any weakening of Hezbollah in inner-lebanese politics.
3. Destroy the Assad regime to remove one of the latest pro Russian/Chinese countries in the middle East and North Africa region. The future Syria should be transformed into a market for western economies and a source/transit country for petroleum and gas controlled by the West instead of Russia. Plus, it becomes impossible for Iran to transport gas through Syria on good terms. This agenda is promoted primarily by Qatar, but is also helpful to Saudi Arabia and the US.

Das „Schlachten“ in Syrien und die Entlarvung der Hintermänner

„Schlachten“*** ist die Königsdisziplin vor allem der stärker werdenden Fraktion der Salafisten unter den FSA-Rebellen:
Angebliche oder tatsächliche „Shabiha“, ein Sprecher des Staatsfernsehens, Pro-Assad-Palästinenser…Es gibt mehr als ein Dutzend öffentlich zugänglicher Videoclips, in denen Rebellen – ganz im Stile ihrer irakischen Idole unter Zarqawi – Gegnern vor laufender Kamera die Kehle durchschneiden.

Dieses Schlachten wird nicht durch Russland verlängert, sondern direkt durch Saudi Arabien, Katar und die Türkei und indirekt durch die USA, Frankreich, UK und auch Deutschland.

Die Baathpartei mag noch so diktatorisch und korrupt sein, aber ihre säkulare Ideologie sieht keine Verteufelung religiöser Minderheiten vor.

Das einzig gute an dem ursprünglich als Reformbewegung maskierten und nach Syrien importierten Krieg der islamistischen Internationale ist, dass die unerwartete Beständigkeit der syrischen Regierung die Killerbrigaden der Opposition immer mehr und besser entlarvt hat.

Es gibt keine Revolution der Massen. Wäre das so, wäre Assad vor mindestens einem halben Jahr gestürzt. In einem Land, dessen Grenzen inzwischen fast komplett offen und unkontrolliert sind und in das mindestens kleine Waffen in Massen geschmuggelt werden kann sich keine Regierung der Welt halten, wenn wirklich die Massen gegen sie aufbegehren. Ein Grossteil der Bodeneinheiten der Armee sind Sunniten. Wenn sie wirklich in Massen desertieren würden, dabei ihre Waffen mitnähmen und eventuell auch noch ein paar von den loyal bleibenden Kameraden abmurksen würden, hätte die Armee gut 100.000 Mann verloren. Die Rebellen leben primär von Irakveteranen und „Fremdenlegionären“ aus Libyen und andernorts.

Aufgrund der extremen Brutalität der Videos werde ich hier keine posten. Wer „Interesse“ hat kann dazu googeln, z.B. „FSA beheading“ oder ähnliches.

Kritische Fragen zu Syrien und Vergleiche zu anderen Konflikten

1. Wird Syrien von dem „Assad-Clan“ regiert?
Erstens nein, denn es gibt keinen Sultan/Emir und Prinzen, die alle Al-Assad heissen.
Zweitens: Selbst wenn „ja“ zuträfe, insofern ist dieser Umstand an sich schlimmer als Saudi Arabien, das von der Familie Al-Saud oder Qatar, das von der Familie al-Thani regiert wird?

2. Ist die Baathpartei undemokratisch zur Macht gekommen?
Ja, sie wurde genauso wenig gewählt wie die Monarchen und Prinzen der die Rebellen finanzierenden und bewaffnenden Königshäuser in Saudi Arabien und Qatar.

3. Bekämpft Assad seine Opposition mit Waffengewalt?
Ja, aber „seine Opposition“ ist selbst schwer bewaffnet, was man beispielsweise von den Demonstranten in Bahrain bis heute nicht/kaum sagen kann.
Im übrigen bekämpft die Türkei seit 30 Jahren ihre Opposition mit Waffengewalt. U.a. wird der Norden Iraks seit gut 20 Jahren immer wieder bombardiert, aber die gleiche Türkei gerät in Rage wenn mal eine syrische Granate auf ihrem Gebiet einschlägt.
Saudi Arabien bekämpft sogar die Oppositionen anderer Länder: Die Houthis in Jemen sowie die Schiiten in Bahrain

4. In anderen Ländern werden Diktatoren sogar von uns im Westen gefördert, wenn sie ihrem halben Volk im Namen der Terrorbekämpfung den Krieg erklären, siehe Pakistan.

5. In Algerien startete die Armee durch Wahlmanipulation einen Bürgerkrieg, dem bis zu 200.000 Menschen zum Opfer fielen, die allermeisten von der Armee getötet. Auch dort feuerte die Artillerie und bombardierte die Luftwaffe.
Ich erinnere mich nur nicht, dass man seinerzeit in benachbarten Ländern Patriots installieren oder eine Flugverbotszone über das Land errichten wollte.

Assads Regierung und Armee haben seit März 2011 viele Fehler gemacht und viel unschuldiges Blut vergossen, aber so langsam sollte die anfängliche Romantisierung der Rebellen oder die Verklärung der Opposition als angeblich „monatelang rein friedlich“ den inzwischen bekanntgewordenen Fakten weichen.
Nach inzwischen Hunderten (wenn nicht Tausenden) Videos von Folter, Lynchmord, Exekution bis hin zu Enthauptung, Hetzdemos mit Aufstachelung zu glaubensbedingtem Hass auf Regimeanhänger durch – wohlgemerkt – die REBELLEN sollte man zumindest jeglichen Gedanken an Hofierung geschweige denn Bewaffnung oder logistische Unterstützung solcher Schwerkrimineller ad acta legen.

Hauptmotive bzw. -forderungen der syrischen Opposition: Welche sind das?

Nach fast 20 Monaten eines immer blutiger und zerstörerischer werdenden Bürgerkriegs in Syrien muss man einiges hinterfragen bzw. rückwirkend in Frage stellen:

1. Hatte die syrische Opposition zumindest in den ersten Wochen und Monaten ihres Protests konkrete Forderungen oder Reformwünsche? Oder forderte sie pauschal den – notfalls gewaltsamen – „Weggang“ der Regierung?

2. Haben die syrischen Sicherheitskräfte völlig grundlos ÜBERreagiert und unnötige Gewalt gegen friedliche und unbewaffnete Demonstranten angewandt? Solche, die einzig mehr Freiheiten und Rechte wollten?

3. Welche konkreten Rechte und Freiheiten, die zwingend notwendig wären, sind in Syrien untersagt?

4. Ist die syrische Regierung tatsächlich eine religiös-motivierte oder „familienclanbasierte“ Clique, die die sunnitische Mehrheit des Landes in ihrer Religionsausübung gezielt und massiv einschränkt und diese wegen ihrer Glaubensrichtung benachteiligt?

5. Ist der Westen tatsächlich deshalb an der Beseitigung Assads und seines Machtapparats interessiert, weil dieser Menschenrechtsverletzungen begeht? Sind die Defizite und Vergehen des Assadregimes direkt nachteilhaft für die USA, EU oder NATO? Sind die mit den USA verbündeten reichen und entfernten arabischen Golfmonarchien durch Assad bedroht oder sonstwie gefährdet?
Sind die vermeintlichen Defizite und Vergehen der syrischen Regierung derart schwerwiegend und umfangreich, dass der Westen wissentlich und kaum verhohlen direkt und indirekt Kräfte unterstützt, die er in Afghanistan oder Irak vehement und tödlich bekämpft?

Jihadisten-Recyclinganlage Syrien

Es scheint, dass mit dem Segen und der logistischen Hilfe einiger Natostaaten und speziell über die türkische Grenze gezielt und massiv salafistisch geprägte Jihadisten aller Länder, mehrheitlich natürlich Araber, nach Syrien gebracht werden, um gegen das syrische Regime zu kämpfen.
Die sowohl zahlen- als auch bedeutungsmässige Rollensteigerung radikaler Gruppen wie die Al-Nusra Front im syrischen Konflikt ist besorgniserregend und wirft wesentliche Fragen auf:
a) Warum ist eine angeblich volksmehrheitliche Revolution in einem Land mit 22 Mio. Einwohnern dermassen auf kräftige militärische (und teilweise eindeutig terroristische) Schützenhilfe durch unübersehbar religiös motivierte Nichtsyrer angewiesen?
b) Werden die (angeblich oder tatsächlich) friedlich und unbewaffnet für Reformen und Freiheiten demonstrierenden oppositionellen Syrer tatsächlich durch ein Gremium „legitim“ repräsentiert, dessen militärischer Arm seine grössten Erfolge der letzten Monate durch jene jihadistischen Gruppierungen erzielt hat, die sich beim Enthaupten, Foltern und Massenexekutieren wehrloser Gefangener filmen?

Wenn man hört, dass sich Gruppierungen wie die genannte angeblich 10.000 Mann starke Nusra Front oder die „Ahrar al Sham“ inzwischen auch mit kurdischen Milizen bekriegen, könnte der Eindruck entstehen, die Importierung solcher Fundamentalisten nach Syrien diene auch weiteren Zwecken. Möglich wäre:
– Türkisches Motiv: Die PKK soll geschwächt werden, indem ihre Kräfte zur Verteidigung ihres eigenen Reviers im Norden Syriens gebündelt werden und sie in einen ethnischen Konflikt Araber vs. Kurden eingezogen wird
– (Primär) amerikanisches Motiv: Jihadisten-Recycling. Vor allem libysche Jihadisten sollen ihre Waffen und ihre religiös getriebene Kampfkraft in Syrien verausgaben, anstatt sie im vermeintlichen „Nato-Erfolgsland“ Libyen ihr Unwesen treiben

Die mittel- und langfristigen Ziele sind folgende:
– Die immer mehr auf den Geschmack kommenden primär libyschen Jihadsöldner sollen als weitere Aufgabe in Libanon mitmischen und die Hisbollah schwächen.  Ihr salafistisches menschenverachtendes Herrenrassendenken verleiht diesen Jihadisten mehr als genug Motivation, die „schiitischen Ungläubigen“ (die in der wahhabitisch-salafistischen Weltanschauung ohnehin „schlimmer als Juden und Christen“ sind) zu bekämpfen.
– Bei Bedarf (so etwa wenn ein Nuri al Maliki auf die Idee kommen sollte sich noch mehr Richtung Iran und Russland zu öffnen und seine Waffen primär bei Russland anstelle der USA zu kaufen) kann man die Jihadisten verstärkt gegen die Schiitenregierung Iraks hetzen.

Militärbasis westlich von Aleppo von Rebellen eingenommen; wenige von ihnen sind Syrer

http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-20666047

Interessant diese Passage:

„The videos posted online…showed the rebels sporting the insignia and black flags of radical jihadist militants. A journalist for AFP news agency on the ground said many of them were from abroad, and that the attack had been led by the al-Nusra Front and related groups. The rebel Free Syrian Army was not involved in the assault…“

Es wird noch „interessanter“: „In Aleppo itself, rebels are still in control of at least half the city, despite attempts by government forces to dislodge them. There too, jihadist groups are reported to have largely displaced the FSA…“

Das bedeutet: In Syriens grösster Stadt Aleppo mit über 2 Mio. Einwohnern haben jihadistische Gruppen, die von der Al-Nusra Front geführt werden und zu grossen Teilen – wenn nicht sogar mehrheitlich – aus Nichtsyrern bestehen, die freie syrische Armee verdrängt.
Das lässt zwei elementare Fragen zu:
a) Repräsentiert die freie SYRISCHE Armee noch tatsächlich den militärisch relevanten Teil der bewaffneten SYRISCHEN Opposition? Oder kämpfen inzwischen „importierte“ bzw. „angereiste“, überwiegend jihadistische Araber und Nichtaraber aus verschiedensten Ländern gegen Syrer?

b) Warum wird die Rolle der eigentlichen freien SYRISCHEN Armee offenbar immer nebensächlicher? Haben sie mehr Verluste gehabt, als sie durch neue SYRISCHE Rekruten ersetzen können? Oder identifizieren sich viele inzwischen nicht mehr mit einer immer brutaler werdenden militanten Opposition, die immer mehr radikalreligiöse Nichtsyrer für ihren Kampf braucht?

In jedem Fall bleibt leider festzustellen, dass der syrische Konflikt – wie „säkular“ auch seine Anfänge waren – inzwischen sehr stark islamistisch gefärbt und infiziert ist. Im totalen Kontrast zu der westlichen und „golfarabischen“ Berichterstattung war es aber nicht die syrische Regierung, die auf die polarisierende „sektiererische“ Karte setzte und den Konflikt als Glaubenskampf einer sunnitischen Mehrheit gegen eine unterdrückende alawitische (schiitische) Minderheit darstellte. Diese absichtlich verzerrende und eindeutig tendentiöse Fehldarstellung der Lage wurde bewusst von den wahhabitisch-radikalen Herrschaftshäusern der Golfstaaten Saudi Arabien und Katar sowie ihren faktisch hauseigenen Sendern Aljazeera und Al-Arabiyya geschaffen und verbreitet. Rebellen oder ihre Vertreter durften unverhohlen und unzensiert abwertende Bezeichnungen für Alawiten verwenden (Affen der Berge, „Majous“ (ursprüngl. ein Ausdruck zur rassistischen Beleidigung von Persern), Ungläubige). Tote Rebellen und Zivilisten waren gleichermassen „Märtyrer“, während Opfer auf Seiten der Armee und der Sicherheitskräfte sachlich-kühl als „getötet“ bezeichnet wurden. Die Sender boten und bieten Gruppierungen unlimitiert eine Platform, die die Soldaten der regulären Armee pauschal als „Hunde Assads“ beleidigen.

Die (nicht ganz friedlichen) Anfänge der syrischen „Revolution“

Wie friedlich begannen die Proteste in Syrien?

Bekanntermassen begannen die Proteste Mitte März 2011 in Daraa im Süden Syriens nahe der jordanischen Grenze.
Weite Teile der westlichen Mainstreamberichterstattung stützen sich seitdem auf die unverifizierten Angaben eindeutig tendenziöser und parteiischer Quellen wie SOHR, Al-Jazeera oder Al-Arabiya.
Diese betrieben von Anfang an eine systematische Irreführung der Leserschaft und der TV-Zuschauer, indem sie
a) sämtliche zivilen Toten trotz nicht vorhandener Beweise als Opfer gezielter Tötung durch die Regierung darstellten
und
b) Tötungsopfer auf Regierungsseite (Polizisten, Soldaten) unerwähnt liessen.

Hier aber ein Rückblick, der die tatsächliche Sachlage deutlich anders skizziert:- am 23.03.2011 schreibt BBC: „at least 12 people have now been killed in clashes.“
http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-12827542

Hier kann man aber lesen, dass zum gleichen Zeitpunkt in Daraa bereits 7 Polizisten getötet worden waren:
http://www.yalibnan.com/2011/03/21/7-syrian-policemen-killed-in-sunday-clashes-report/

Zudem wurden das Hauptquarier der Baathpartei und das Gerichtsgebäude der Stadt in Brand gesetzt:
http://www.globalresearch.ca/syria-who-is-behind-the-protest-movement-fabricating-a-pretext-for-a-us-nato-humanitarian-intervention/24591

Die tödliche Konfrontation syrischer Sicherheitskräfte nahe der Al Omari Moschee in Daraa wurde in den Medien als unnötiger bzw. ungerechtfertigter Gewaltakt gegen unbewaffnete und friedliche Demonstranten porträtiert:
http://www.guardian.co.uk/world/2011/mar/23/syria-kills-six-mosque-attack-deraa

Die vermeintliche Harmlosigkeit der Al Omari Moschee darf jedoch angesichts dieser Enthüllungen eines saudischen Funktionärs BBC gegenüber stark bezweifelt werden:
http://www.youtube.com/watch?v=VKN-tP4s_uU

Der interviewte Saudi gesteht offen, dass die „Revolution“ von Anfang an bewaffnet war. Das deckt sich jedoch nicht mit dem weit verbreiteten und von Gegnern des syrischen Regimes immer betonten Märchen von der monatelangen Friedfertigkeit unbewaffneter syrischer Demonstranten, die einzig deshalb von „Assads Schergen massakriert“ wurden, weil sie Reformen und mehr Freiheiten forderten.

Es ist auch interessant und aufschlussreich zu wissen, dass der bei Al-Jazeera für die Berichterstattung aus Syrien zuständige Redakteur der Bruder eines führenden Mitglieds des oppositionellen und gewaltbefürwortenden SNC (Syrian National Council) ist:
http://www.counterpunch.org/2012/03/05/in-syria-al-jazeeras-credibility-implodes/

Äusserst vielsagend sind auch die Enthüllungen eines ehemaligen Al-Jazeera Reporters:
„I was one of those who experienced it when al-Jazeera, the channel I used to work for, refused to air footage of gunmen fighting the Syrian regime on the borders between Lebanon and Syria. I saw tens of gunmen crossing the borders in May last year (2011) – clear evidence that the Syrian revolution was becoming militarised. This didn’t fit the required narrative of a clean and peaceful uprising, and so my seniors asked me to forget about gunmen.“
http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2012/apr/03/arab-spring-arab-tv-credibility

Ein weiterer Beleg für die ausserordentliche Gewalttätigkeit der syrischen Opposition bereits in einer sehr frühen Phase ist die Tötung von neun syrischen Soldaten am 10. April 2011 in Banyas. Man bedenke, dass das kein Monat nach dem Beginn der Unruhen in Deraa passiert ist UND dass es 100% offensichtlich ist, dass hier weder eine friedliche Demo angegriffen wurde noch die Mörder in Notwehr handelten:
http://www.joshualandis.com/blog/?p=9115&cp=all

Makabre Stereotypen des syrischen Bürgerkriegs

Wenn die Massenmedien sich einem „Schurkenstaat“ widmen und dessen zum „Schlächter“ umdefinierten Herrscher mit allen lauteren und unlauteren Mitteln diffamieren und dämonisieren wollen, dann wiederholen sich in der Berichterstattung bestimmte „Gräueltatsmuster“, die allesamt stets mit dem Regime assoziiert werden.

Bei folgenden berichteten Verbrechen ist der Zuhörer/Zuschauer/Leser kontinuierlich und umfangreich dahingehend konditioniert worden, stets die syrische Regierung/Armee als Täter zu sehen. Für jeden dieser Sachverhalte bringe ich ein Beispiel dafür, dass die Rebellen dahinter gesteckt haben:

Diese Beispiele sollen den Leser zu mehr Skepis veranlassen. Er muss sich fragen, ob er seine Einstellung und Haltung in diesem Konflikt zu sehr von der offensichtlich sehr tendentiösen und oft manipulativen Berichterstattung der Massenmedien beeinflussen lässt.

Ein sich wiederholender und deshalb inhaltlich sehr verdächtiger Stereotyp mit dem Zweck die syrische Regierung und Armee zu verleumden sind die vielfachen Berichte der „Aktivisten“ über angebliche Bombardierungen von Moscheen in denen – natürlich – Frauen und Kinder saßen – durch die Luftwaffe. Der neueste Fall stellte eine weitere Steigerung der vermeintlichen Niederträchtigkeit der Armee dar: Dieses Mal wurde nicht nur mal wieder eine Moschee bombardiert, sondern auch noch eine, die sich im Flüchtlingslager Yarmouk befindet. Man stelle sich vor: Die ohnehin seit Jahrzehnten unterdrückten und vertriebenen Palästinenser sind sogar in den Moscheen ihrer Camps nicht sicher. Keiner fragt sich warum denn das Assadregime Hunderttausende Palästinenser ausgerechnet vor den Toren von Damascus untergebracht habe, wenn sie sie doch angeblich gnadenlos eliminieren wolle.  Seit über 30 Jahren ist Syrien deshalb international isoliert und geächtet, weil man sich für die Palästinenser engagiert.
In diesem speziellen Fall ignorierten die meisten Medien auch, dass ein Sprecher der Palästinenser einen Angriff der syrischen Luftwaffe auf das Yarmouk-Lager dementierte.
Objektiv betrachtet begann Chaos und Gewalt im Lager Yarmouk erst als Hunderte von Rebellenkämpfern in das Territorium eindrangen. Man muss schon blind und äusserst „kreativ“ sein, um die Regierung Syriens für die Kämpfe in Yarmouk zu beschuldigen.