Der Fleischwolf

Was macht man mit unterbeschäftigten islamistischen Milizionären? Man schickt sie auf immer weitere Missionen.

In September 2011 sah ich bei einer Reportage über eine siegreiche Schlacht libyscher Rebellen gegen Gaddafis Truppen auf der Rückseite des Khakihemdes eines der Kämpfer die handgeschriebene Ankündigung: „Syria, we are coming“. Libyen war noch gar nicht „befreit“, Gaddafi noch nicht verstümmelt, und schon verkündete „man“ das nächste Betätigungsfeld: Syrien.

Zehntausende in aller Regel wenig gebildete und aus der Unterschicht stammende, teilweise bereits radikalislamisierte, teilweise für radikale Ideen und Verschwörungstheorien empfängliche Männer wurden massiv mit saudischen und katarischen Geldern und Waffen versorgt, um Gaddafi zu stürzen. Nachdem Natos Bombenkampagne den Hauptanteil am Sieg dieser Rebellen gesichert hatte konnte das neue, „befreite“ Libyen sich nicht leisten, dass Heerscharen bewaffneter und selbstbewusster Milizionäre ohne Disziplin und zentrale Kommandostrukturen, und vor allem ohne Gewaltausübungshemmungen im Land herumlaufen und die neue vom Westen installierte und hofierte Regierung in Bedrängnis bringen.
Ergo mussten diese Kräfte beschäftigt und ihre Waffen und Munition verbraucht und verschlissen werden. Als Motivation musste man Panarabismus mit sunnitischem Brüderlichkeitsbewusstsein in Verbindung bringen. Also erfand und nährte man die Mär vom bösen alawitischem „Minderheitsdiktator“, der die Mehrheit der guten Sunniten-Muslime aus religiösen Gründen bekämpfe. Beharrlich wurde in den Massenmedien, speziell den vielgesehenen Satellitensendern der arabischen Welt immer wieder das Märchen wiederholt, in Syrien wäre die Mehrheit der Sunniten in wichtigen Regierungsämtern sowie in den Streitkräften und den Sicherheitsdiensten quasi nicht präsent.
(Siehe hier starke Anhaltspunkte für das Gegenteil: https://radioyaran.wordpress.com/2012/12/23/desertieren-sunniten-der-regierung-und-armee-assads/)
Die Idee hinter diesem Lügenkonstrukt war, antischiitische Gefühle speziell bei der weniger gebildeten und oft arbeitslosen sunnitischen Landbevölkerung anzustacheln und das falsche Unrechtsempfinden zu generieren, das auf eine angebliche systematische Unterdrückung der sunnitischen „Brüder“ in Syrien basieren würde.

In der Folge strömten und strömen Tausende salafistisch- oder sonstwie „radikalsunnitisch“ geprägte Jihadisten aus Ländern wie Tschetschenien, Libyen, Saudi Arabien, Irak, Libanon, Jordanien…nach Syrien um am „Jihad“ gegen das „ungläubige“ Regime Assads teilzunehmen.

Für die die Rebellen euphorisch mit „Ideologie“, Geld, Logistik und Waffen unterstützenden Golfmonarchien Saudi Arabien, Katar oder auch Kuwait hat die Heimsuchung Syriens durch die jihadistische Internationale neben der Schwächung des schiitischen Erzfeindes Iran im Fernkrieg einen weiteren Vorteil: Man hat die eigenen „Wahnsinnigen“ von der korrupten eigenen Herrschaft abgelenkt. Die Jihadisten werden am Ende Assad womöglich stürzen, werden aber auch Zehntausende ihrer erfahrensten Kämpfer verlieren. Sollte nach dem regime change in Syrien noch genügend potentielle Jihadenergie vorhanden sein, lässt sich leicht der Bedarf nach Befreiung der sunnitischen Brüder in Libanon, welche angeblich unter der Hisbollah leiden herbeiphantasieren. Alternativ könnte man sich auch gen Südwesten wenden und die wohl ebenso als „häretisch“ oder „gottlos“ zu deklarierende Regierung des Schiiten Al-Maliki beseitigen wollen. Schon heute nennen syrische Rebellen getötete Regimesoldaten öfters „Majjous“, eine abfällige Bezeichung für die (vorislamischen) Iraner.

Syrien heute, sowie Libanon und/oder Irak morgen werden also den Fleischwolf zu Gast haben, in dem nicht-sunnitische Milizen/Regierungen und salafistische Kämpfer sich gegenseitig aufreiben.

The syrian rebels and the unending „exceptions“

The US, Britain and some other western nations are considering to increase their help to the syrian rebels. While so far mainly Qatar and Saudi Arabia have funded and armed the rebels, while Turkey, Jordan and lebanese elements provided the logistics and managed the weapons smuggling, Nato countries are thinking about involving themselves more intensively and directly in regime change efforts.

This is in that much puzzling as the rebels have committed a wide array of major crimes which they not even bothered to try to hide. Instead many attrocities such as kidnapping, torturing, executing/beheading pro-regime or otherwise opponent civilians (including palestinian refugees, old men, TV anchor men, journalists, movie actors, lawyers, teachers, athletes, doctors, pensioned army personel) in addition to frequent executing of military prisoners have been proudly announced, some times uploaded as gruesome video clips on Youtube.

One recent example is the hanging of pro-regime Palestinians in the Yarmouk refugee camp:
http://www.youtube.com/watch?v=wzpLl58aNxw

In view of the mounting crimes or at least dubious actions of the rebels,  some months ago their western backers decided to create the „Free Syrian Army“s „bad bank“, the Al-Nusra Front. So, whenver any ugly attrocities such as beheadings or suicide bombs in populated areas happen, not to mention the blasting and burning of religious sites of minorities the rebels are excused: It was Al-Nusra we are told. No matter that other groups like the Ahrar al Sham or the Liwa Tauheed have not very similar if not identic views as the Al-Nusra. We are supposed that the radical Salafists/Jihadists constitute only a minority within the FSA. When numbers are given about the Al-Nusra one reads no more than 3000 to 10000, but then one has to wonder how this militia has such omnipresence in this conflict: They are in Damascus suburbs, they take over the Yarmouk camp, they fight in Idlib, Homs, Hama and Aleppo, not only the cities but also the country sides and now they captured Raqqa, not to mention that they control many border crossings and are also active in Deir al Zour. All this with only 10000 men? Very unlikely.

Another example of the rebels brazenness which reflects their self-confidence due to the Wests almost total ignorance of their mischiefs is the hostage taking of UN peacekeepers in the Golan heights. While the rebels after 2 days still refuse to release the blue helmets UK foreign secretary is continuing to blame the Assad government one-sidedly and reiterates the need to widen the support for the rebels.

We are told that the rebels need armored vehicles to protect them, as though the rebels would abstain from using those vehicles for offensive military missions. The rebels are also supposed to get night vision goggles, but for what? Does Mr. Hague really think that rebels would not use those devices to attack army positions at night?

A tiny portion of the rebel crimes (see the links in this article https://radioyaran.wordpress.com/2012/12/21/besorgniserregend-toleranter-umgang-mit-syrischen-rebellen/)
if committed by Hamas or Hizbullah would be enough to align all western politicians along with the western press to denounce terrorism and crimes against humanity using phrases like „Hamas/Hizbullah exposed their criminal, evil nature…“

Syriens Rebellen begehen vielfältige und verheerende Terrorakte

Die bedenkliche Unterstützung, die die syrischen Rebellen durch westliche Politiker und Medien erhalten wäre nur nachvollziehbar, wenn diese schwer bewaffneten Milizen eine freiheitliche, Menschenrechte respektierende Agenda verfolgen würden. Das jedoch ist nicht im entferntesten erkennbar. Die unzähligen bestenfalls lose verbundenen Rebellenverbände bestehen nicht nur aus Syrern, sondern aus hasserfüllten ausschliesslich religiös motivierten Kämpfern aus 29 verschiedenen Ländern:
http://news.antiwar.com/2012/12/20/un-syrias-rebels-come-from-29-countries/

Der Versuch der USA und ähnlich gesonnener westlicher Massenmedien die syrischen Rebellen von den ihnen angelasteten Vorwürfen schwerer Verbrechen rein zu waschen (indem beispielsweise die Al-Nusra Front als „Terrororganisation“ eingestuft wurde) ist aus 2 Gründen kläglich fehlgeschlagen:
a) Diverse andere Gruppierungen wie u.a. die „Ahrar al Sham“, „Ghuraba al Sham“ oder „Liwa al Tawheed“ unterscheiden sich in der Wahl ihrer Mittel und Rhetorik kaum von der Al-Nusra Front
b) Eine Vielzahl verschiedener Rebellengruppierungen solidarisierten sich mit der Al-Nusra Front und protestierten gegen ihre Bezeichnung als Terrororganisation:
http://news.antiwar.com/2012/12/11/syrian-rebels-pledge-allegiance-to-al-qaeda-linked-group/

Das gleiche tat auch der frisch gekürte Chef der syrischen Opposition Moaz al-Khatib:
http://landdestroyer.blogspot.co.uk/2012/12/us-backed-syrian-opposition-demands.html

Insofern ist es nur Augenwischerei und Wunschdenken, die Al-Nusra Front als „Bad Bank“ der syrischen Rebellen herauszupicken und so zu tun als ob die breite Mehrheit der Kämpfer säkular-demokratische freiheitlich-zivilisierte Ziele verfolge.

Im folgenden sind einige der Handlungen der Rebellen aufgeführt, die jeden nachdenklich machen sollten, der noch bedingungslos daran festhält, dass diese Kräfte um jeden Preis dabei unterstützt werden sollten, in Syrien die Macht zu erlangen:

Al-Nusra Milizionär exekutiert syrische Soldaten:
http://breakingnews.sy/en/article/9655.html?m=0

Beispiel für Industrie- und Infrastrukturterrorismus durch die Rebellen:
http://syrieninfo.blogspot.de/2012/12/terroranschlag-auf-stromversorgung.html

Sprengung von Gaspipeline, die E-Werke versorgt:
http://abcnews.go.com/International/wireStory/international-envoy-warns-failed-state-syria-18095595#.UOTEzqzxH8s

„Ermordungen, Entführungen und Erpressungen all derer, die nach wie vor im Dienste des Systems stünden, zählten spätestens seit Ende vergangenen Jahres zu den wichtigsten Taktiken der Rebellen in Syrien“
http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/syriens-wirtschaft-im-visier-der-rebellen-1.17318676

Von Saudi Arabien propagierte geistige Krankheit „Salafismus“ infiziert syrischen Mann in Aleppo, der seine Frau deshalb tötet, weil sie mit Assad sympathisiert. Das sind die moralisch-ethisch überlegenen syrischen Oppositionellen, die Assad ersetzen sollen:
http://www.dailystar.com.lb/News/Middle-East/2012/Dec-19/199155-syrian-man-shoots-dead-russian-pro-assad-wife.ashx#axzz2FWzMo88r

Beispiel für gezielte Attacken auf (Pro)Regime-Journalisten durch Rebellen: „Rebels reportedly kill Syrian TV cameraman near Damascus“
http://www.timesofisrael.com/rebels-reportedly-kill-syrian-tv-cameraman-near-damascus/

Beispiel für die systematische Zerstörung syrischer Kulturgüter und städtischer Infrastruktur:
„Weeks ago, most of the souk – the living pulse of Aleppo for centuries – was set on fire and destroyed by the „rebels“ of the so-called Free Syrian Army (FSA).“
www.atimes.com/atimes/Middle_East/NL22Ak03.html

Systematischer Diebstahl und Plünderung privaten und staatlichen Eigentums durch die Rebellen:
http://www.guardian.co.uk/world/2012/dec/27/syrian-rebels-scramble-spoils-war

Attacke auf Elektrizitätswerk: „An attack by Syrian rebels on an electricity pylon on Friday caused a power outage in several areas of Damascus“
http://blogs.aljazeera.com/topic/syria/rebel-attack-cuts-damascus-power-syrian-state-tv-says

Auch vor Krankenhäusern machen die Rebellen nicht halt. Erstere werden – da sie zuvor vom verhassten Staat betrieben wurden – „gereinigt“, was neben der Zerstörung von Gebäuden und Material, sowie Gefährdung bis hin zur Tötung von Patienten auch die bedeutet, dass Ärzte und Personal in Mitleidenschaft gezogen werden.

Dann sind da die Attacken der Rebellen auf dichtbesiedelte Palästinenser-Flüchtlingsläger. Gemäss der Logik der Rebellen sind diese Läger mindestens teilweise legitime Ziele, da die dort aktiven Fraktionen der PFLP-(GC) (Ahmed Gibril) wegen ihrer Pro-Regime-Haltung „Komplizen“ des Assadregimes seien. Die Medien berichten dann mit geheucheltem Mitleid über die Misere der dortigen Bevölkerung, wenn die syrische Armee bei der Bekämpfung der eingedrungenen Rebellen bedauerlicherweise auch Zivilisten tötet, ignorieren aber geflissentlich, dass Tod und Verderben die Zivilbevölkerung – analog zum Schicksal der Bewohner Aleppos – erst befielen, als die Rebellen die Wohngebiete betraten.

Es hat nichts mit Propaganda der syrischen Regierung zu tun, wenn man Attacken auf Elektrizitätswerke, Gasleitungen, Zugschienen, Fabriken und ihre Arbeiter oder auch auf Krankenhäuser (oft von den Rebellen als „Befreiung“ bzw. „Bereinigung“ dieser Einrichtungen bezeichnet) Terrorismus nennt.
Stundenlange Stromausfälle in einem Land der dritten Welt bedeuten Tonnen von verdorbenen Lebensmitteln, das Nichtfunktionieren von medizinischen Geräten in privaten Haushalten, den Verlust von Warmwasser und Heizung, totalen Stillstand bei Fabriken und Firmen und vielfach auch eine starke Gefährdung von Krankenhauspatienten, wenn die Notstromaggregate nicht vorhanden sind oder nur eingeschränkte Kapazitäten haben.

Three-level proxy war in Syria

the NATO+GCC (mainly Saudi Arabia and Qatar) support structure for the syrian rebels has three depth levels based upon different, underlying agendas:
1. Destroy the Assad regime to weaken Iran and break the „shia-axis“ (Iran-Iraq-Syria-South Lebanon). The Main driver of this agenda is Saudi Arabia that even during Israel and Hezbollahs 33days war in 2006 criticized the lebanese resistance movement and together with Hosni Mubarak and King Abdullah of Jordan has been warning of a Shia crescent for years.
2. Destroy the Assad regime to neutralize Syria as the sole remaining nieghbour of Israel that has not officially made peace with Israel and has been a major supporter of palestinian and lebanese resistance. The destruction of Syria as regional power begun already in 2005 when Lebanons Hariri was murdered and western politicians and media immediately blamed the Syrians which finally led to the Syrian Armys departure from Lebanon. One year later Israel attacked Lebanon and with the exception of Hezbollah the regular lebanese armed forces did not defend the country. It is crystal clear that Hariris murder very well suited Israels plans and not at all brought any advantages for the Syrian. This aim of Syrias regime change is on the agenda of Israel and the US and also serves Saudi Arabia who welcomes any weakening of Hezbollah in inner-lebanese politics.
3. Destroy the Assad regime to remove one of the latest pro Russian/Chinese countries in the middle East and North Africa region. The future Syria should be transformed into a market for western economies and a source/transit country for petroleum and gas controlled by the West instead of Russia. Plus, it becomes impossible for Iran to transport gas through Syria on good terms. This agenda is promoted primarily by Qatar, but is also helpful to Saudi Arabia and the US.

Jihadisten-Recyclinganlage Syrien

Es scheint, dass mit dem Segen und der logistischen Hilfe einiger Natostaaten und speziell über die türkische Grenze gezielt und massiv salafistisch geprägte Jihadisten aller Länder, mehrheitlich natürlich Araber, nach Syrien gebracht werden, um gegen das syrische Regime zu kämpfen.
Die sowohl zahlen- als auch bedeutungsmässige Rollensteigerung radikaler Gruppen wie die Al-Nusra Front im syrischen Konflikt ist besorgniserregend und wirft wesentliche Fragen auf:
a) Warum ist eine angeblich volksmehrheitliche Revolution in einem Land mit 22 Mio. Einwohnern dermassen auf kräftige militärische (und teilweise eindeutig terroristische) Schützenhilfe durch unübersehbar religiös motivierte Nichtsyrer angewiesen?
b) Werden die (angeblich oder tatsächlich) friedlich und unbewaffnet für Reformen und Freiheiten demonstrierenden oppositionellen Syrer tatsächlich durch ein Gremium „legitim“ repräsentiert, dessen militärischer Arm seine grössten Erfolge der letzten Monate durch jene jihadistischen Gruppierungen erzielt hat, die sich beim Enthaupten, Foltern und Massenexekutieren wehrloser Gefangener filmen?

Wenn man hört, dass sich Gruppierungen wie die genannte angeblich 10.000 Mann starke Nusra Front oder die „Ahrar al Sham“ inzwischen auch mit kurdischen Milizen bekriegen, könnte der Eindruck entstehen, die Importierung solcher Fundamentalisten nach Syrien diene auch weiteren Zwecken. Möglich wäre:
– Türkisches Motiv: Die PKK soll geschwächt werden, indem ihre Kräfte zur Verteidigung ihres eigenen Reviers im Norden Syriens gebündelt werden und sie in einen ethnischen Konflikt Araber vs. Kurden eingezogen wird
– (Primär) amerikanisches Motiv: Jihadisten-Recycling. Vor allem libysche Jihadisten sollen ihre Waffen und ihre religiös getriebene Kampfkraft in Syrien verausgaben, anstatt sie im vermeintlichen „Nato-Erfolgsland“ Libyen ihr Unwesen treiben

Die mittel- und langfristigen Ziele sind folgende:
– Die immer mehr auf den Geschmack kommenden primär libyschen Jihadsöldner sollen als weitere Aufgabe in Libanon mitmischen und die Hisbollah schwächen.  Ihr salafistisches menschenverachtendes Herrenrassendenken verleiht diesen Jihadisten mehr als genug Motivation, die „schiitischen Ungläubigen“ (die in der wahhabitisch-salafistischen Weltanschauung ohnehin „schlimmer als Juden und Christen“ sind) zu bekämpfen.
– Bei Bedarf (so etwa wenn ein Nuri al Maliki auf die Idee kommen sollte sich noch mehr Richtung Iran und Russland zu öffnen und seine Waffen primär bei Russland anstelle der USA zu kaufen) kann man die Jihadisten verstärkt gegen die Schiitenregierung Iraks hetzen.

Militärbasis westlich von Aleppo von Rebellen eingenommen; wenige von ihnen sind Syrer

http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-20666047

Interessant diese Passage:

„The videos posted online…showed the rebels sporting the insignia and black flags of radical jihadist militants. A journalist for AFP news agency on the ground said many of them were from abroad, and that the attack had been led by the al-Nusra Front and related groups. The rebel Free Syrian Army was not involved in the assault…“

Es wird noch „interessanter“: „In Aleppo itself, rebels are still in control of at least half the city, despite attempts by government forces to dislodge them. There too, jihadist groups are reported to have largely displaced the FSA…“

Das bedeutet: In Syriens grösster Stadt Aleppo mit über 2 Mio. Einwohnern haben jihadistische Gruppen, die von der Al-Nusra Front geführt werden und zu grossen Teilen – wenn nicht sogar mehrheitlich – aus Nichtsyrern bestehen, die freie syrische Armee verdrängt.
Das lässt zwei elementare Fragen zu:
a) Repräsentiert die freie SYRISCHE Armee noch tatsächlich den militärisch relevanten Teil der bewaffneten SYRISCHEN Opposition? Oder kämpfen inzwischen „importierte“ bzw. „angereiste“, überwiegend jihadistische Araber und Nichtaraber aus verschiedensten Ländern gegen Syrer?

b) Warum wird die Rolle der eigentlichen freien SYRISCHEN Armee offenbar immer nebensächlicher? Haben sie mehr Verluste gehabt, als sie durch neue SYRISCHE Rekruten ersetzen können? Oder identifizieren sich viele inzwischen nicht mehr mit einer immer brutaler werdenden militanten Opposition, die immer mehr radikalreligiöse Nichtsyrer für ihren Kampf braucht?

In jedem Fall bleibt leider festzustellen, dass der syrische Konflikt – wie „säkular“ auch seine Anfänge waren – inzwischen sehr stark islamistisch gefärbt und infiziert ist. Im totalen Kontrast zu der westlichen und „golfarabischen“ Berichterstattung war es aber nicht die syrische Regierung, die auf die polarisierende „sektiererische“ Karte setzte und den Konflikt als Glaubenskampf einer sunnitischen Mehrheit gegen eine unterdrückende alawitische (schiitische) Minderheit darstellte. Diese absichtlich verzerrende und eindeutig tendentiöse Fehldarstellung der Lage wurde bewusst von den wahhabitisch-radikalen Herrschaftshäusern der Golfstaaten Saudi Arabien und Katar sowie ihren faktisch hauseigenen Sendern Aljazeera und Al-Arabiyya geschaffen und verbreitet. Rebellen oder ihre Vertreter durften unverhohlen und unzensiert abwertende Bezeichnungen für Alawiten verwenden (Affen der Berge, „Majous“ (ursprüngl. ein Ausdruck zur rassistischen Beleidigung von Persern), Ungläubige). Tote Rebellen und Zivilisten waren gleichermassen „Märtyrer“, während Opfer auf Seiten der Armee und der Sicherheitskräfte sachlich-kühl als „getötet“ bezeichnet wurden. Die Sender boten und bieten Gruppierungen unlimitiert eine Platform, die die Soldaten der regulären Armee pauschal als „Hunde Assads“ beleidigen.

Die (nicht ganz friedlichen) Anfänge der syrischen „Revolution“

Wie friedlich begannen die Proteste in Syrien?

Bekanntermassen begannen die Proteste Mitte März 2011 in Daraa im Süden Syriens nahe der jordanischen Grenze.
Weite Teile der westlichen Mainstreamberichterstattung stützen sich seitdem auf die unverifizierten Angaben eindeutig tendenziöser und parteiischer Quellen wie SOHR, Al-Jazeera oder Al-Arabiya.
Diese betrieben von Anfang an eine systematische Irreführung der Leserschaft und der TV-Zuschauer, indem sie
a) sämtliche zivilen Toten trotz nicht vorhandener Beweise als Opfer gezielter Tötung durch die Regierung darstellten
und
b) Tötungsopfer auf Regierungsseite (Polizisten, Soldaten) unerwähnt liessen.

Hier aber ein Rückblick, der die tatsächliche Sachlage deutlich anders skizziert:- am 23.03.2011 schreibt BBC: „at least 12 people have now been killed in clashes.“
http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-12827542

Hier kann man aber lesen, dass zum gleichen Zeitpunkt in Daraa bereits 7 Polizisten getötet worden waren:
http://www.yalibnan.com/2011/03/21/7-syrian-policemen-killed-in-sunday-clashes-report/

Zudem wurden das Hauptquarier der Baathpartei und das Gerichtsgebäude der Stadt in Brand gesetzt:
http://www.globalresearch.ca/syria-who-is-behind-the-protest-movement-fabricating-a-pretext-for-a-us-nato-humanitarian-intervention/24591

Die tödliche Konfrontation syrischer Sicherheitskräfte nahe der Al Omari Moschee in Daraa wurde in den Medien als unnötiger bzw. ungerechtfertigter Gewaltakt gegen unbewaffnete und friedliche Demonstranten porträtiert:
http://www.guardian.co.uk/world/2011/mar/23/syria-kills-six-mosque-attack-deraa

Die vermeintliche Harmlosigkeit der Al Omari Moschee darf jedoch angesichts dieser Enthüllungen eines saudischen Funktionärs BBC gegenüber stark bezweifelt werden:
http://www.youtube.com/watch?v=VKN-tP4s_uU

Der interviewte Saudi gesteht offen, dass die „Revolution“ von Anfang an bewaffnet war. Das deckt sich jedoch nicht mit dem weit verbreiteten und von Gegnern des syrischen Regimes immer betonten Märchen von der monatelangen Friedfertigkeit unbewaffneter syrischer Demonstranten, die einzig deshalb von „Assads Schergen massakriert“ wurden, weil sie Reformen und mehr Freiheiten forderten.

Es ist auch interessant und aufschlussreich zu wissen, dass der bei Al-Jazeera für die Berichterstattung aus Syrien zuständige Redakteur der Bruder eines führenden Mitglieds des oppositionellen und gewaltbefürwortenden SNC (Syrian National Council) ist:
http://www.counterpunch.org/2012/03/05/in-syria-al-jazeeras-credibility-implodes/

Äusserst vielsagend sind auch die Enthüllungen eines ehemaligen Al-Jazeera Reporters:
„I was one of those who experienced it when al-Jazeera, the channel I used to work for, refused to air footage of gunmen fighting the Syrian regime on the borders between Lebanon and Syria. I saw tens of gunmen crossing the borders in May last year (2011) – clear evidence that the Syrian revolution was becoming militarised. This didn’t fit the required narrative of a clean and peaceful uprising, and so my seniors asked me to forget about gunmen.“
http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2012/apr/03/arab-spring-arab-tv-credibility

Ein weiterer Beleg für die ausserordentliche Gewalttätigkeit der syrischen Opposition bereits in einer sehr frühen Phase ist die Tötung von neun syrischen Soldaten am 10. April 2011 in Banyas. Man bedenke, dass das kein Monat nach dem Beginn der Unruhen in Deraa passiert ist UND dass es 100% offensichtlich ist, dass hier weder eine friedliche Demo angegriffen wurde noch die Mörder in Notwehr handelten:
http://www.joshualandis.com/blog/?p=9115&cp=all

Makabre Stereotypen des syrischen Bürgerkriegs

Wenn die Massenmedien sich einem „Schurkenstaat“ widmen und dessen zum „Schlächter“ umdefinierten Herrscher mit allen lauteren und unlauteren Mitteln diffamieren und dämonisieren wollen, dann wiederholen sich in der Berichterstattung bestimmte „Gräueltatsmuster“, die allesamt stets mit dem Regime assoziiert werden.

Bei folgenden berichteten Verbrechen ist der Zuhörer/Zuschauer/Leser kontinuierlich und umfangreich dahingehend konditioniert worden, stets die syrische Regierung/Armee als Täter zu sehen. Für jeden dieser Sachverhalte bringe ich ein Beispiel dafür, dass die Rebellen dahinter gesteckt haben:

Diese Beispiele sollen den Leser zu mehr Skepis veranlassen. Er muss sich fragen, ob er seine Einstellung und Haltung in diesem Konflikt zu sehr von der offensichtlich sehr tendentiösen und oft manipulativen Berichterstattung der Massenmedien beeinflussen lässt.

Ein sich wiederholender und deshalb inhaltlich sehr verdächtiger Stereotyp mit dem Zweck die syrische Regierung und Armee zu verleumden sind die vielfachen Berichte der „Aktivisten“ über angebliche Bombardierungen von Moscheen in denen – natürlich – Frauen und Kinder saßen – durch die Luftwaffe. Der neueste Fall stellte eine weitere Steigerung der vermeintlichen Niederträchtigkeit der Armee dar: Dieses Mal wurde nicht nur mal wieder eine Moschee bombardiert, sondern auch noch eine, die sich im Flüchtlingslager Yarmouk befindet. Man stelle sich vor: Die ohnehin seit Jahrzehnten unterdrückten und vertriebenen Palästinenser sind sogar in den Moscheen ihrer Camps nicht sicher. Keiner fragt sich warum denn das Assadregime Hunderttausende Palästinenser ausgerechnet vor den Toren von Damascus untergebracht habe, wenn sie sie doch angeblich gnadenlos eliminieren wolle.  Seit über 30 Jahren ist Syrien deshalb international isoliert und geächtet, weil man sich für die Palästinenser engagiert.
In diesem speziellen Fall ignorierten die meisten Medien auch, dass ein Sprecher der Palästinenser einen Angriff der syrischen Luftwaffe auf das Yarmouk-Lager dementierte.
Objektiv betrachtet begann Chaos und Gewalt im Lager Yarmouk erst als Hunderte von Rebellenkämpfern in das Territorium eindrangen. Man muss schon blind und äusserst „kreativ“ sein, um die Regierung Syriens für die Kämpfe in Yarmouk zu beschuldigen.

Massaker bzw. „Völkermord“? Eine Analyse der Opferzahlen im Syrienkonflikt

Von Hillary Clinton über Francois Hollande bis Tayyip Recep Erdogan, wann immer es darum ging das syrische Regime nicht nur zu kritisieren sondern gleich zu verteufeln wurde das Wort Massaker benutzt. Assads „Schergen“ (also nicht Soldaten, Polizisten oder andere Streit- und Sicherheitskräfte) sind seit März 2011 immer wieder in Massakern (an der Zivilbevölkerung) involviert. Speziell Erdogan ging sogar so weit von einem Völkermord zu sprechen, welchen er dem „Schlächter“ Assad vorwarf.

In diesem Artikel soll anhand des vorhandenen Datenmaterials, welches durch internationale Medien verbreitet wurde untersucht werden, ob bzw. in welchem Umfang der laufende Bürgerkrieg in Syrien ein Massaker staatlicher Kräfte gegen die Zivilbevölkerung darstellt.

Zu diesem Zweck beziehe ich mich auf die Angaben der „Syrian Observatory for Human Rights“ (SOHR) aus London, unabhängig davon, in welchem Masse diese Quelle vertrauenswürdig und zuverlässig ist, da sie die Hauptquelle ist, auf die sich speziell die eindeutig antisyrischen Nachrichtenorganisationen Aljazeera, Al-Arabiyyah, BBC oder New York Times beziehen.

Laut SOHR (Stand 22.08.2012) hat es in Syrien bisher insgesamt etwa 24,500 Tote gegeben.
http://en.wikipedia.org/wiki/Casualties_of_the_Syrian_civil_war

Mindestens 8000 Tote sind syrische Soldaten und Polizisten:
http://www.dailystar.com.lb/News/Middle-East/2012/Aug-30/186165-over-8000-regime-forces-killed-in-syria-military-hospital.ashx#axzz252JSN1px
Die Zahl der toten regimetreuen, überwiegend aber nicht ausschliesslich alawitischen Paramilitärs der „Shabiha“ ist nicht bekannt, aber laut SOHR sollen einige Tausend Shabiha getötet worden sein. SOHR-Sprecher Abdel-Rahman sagt dass die Zahlen „do not include armed groups supported by the shabiha (pro-regime militia), of which thousands have been killed since the start of the clashes“:
http://www.geo.tv/GeoDetail.aspx?ID=52428
Wir interpretieren diese Angabe konservativ und gehen pauschal von 2000 getöteten Shabiha aus, auch wenn die Möglichkeit naheliegt, dass einige der Toten missliebige Zivilisten waren, die von den Rebellen nach ihrer Tötung als Shabiha deklariert wurden, um Morde zu legitimieren.

In der Summe hat also das Regime mindestens 10000 Verluste gehabt

Auf Rebellenseite werden als „Deserteure“ (defectors) einzig jene getöteten Rebellen genannt, die vorher aus der syrischen Armee übergelaufen  waren.
Die Zahl dieser toten Rebellen wird mit 1050 angegeben:
http://www.nowlebanon.com/NewsArchiveDetails.aspx?ID=430099

Erst Ende Mai 2012 gab SOHR-Sprecher Abdel-Rahman zu, dass die mit Abstand grösste Opfergruppe der „Zivilisten“ auch die getöteten Rebellen beinhalte, die nicht Armeedeserteure waren:
http://m.aljazeera.com/SE/201272275230449605

Schon vorher wurde dies auch von dem Reporter Nir Rosen in einem Bericht für Aljazeera wie folgt festgehalten:
„Many of those reported killed are in fact dead opposition fighters, but the cause of their death is hidden and they are described in reports as innocent civilians killed by security forces, as if they were all merely protesting or sitting in their homes.“
http://www.aljazeera.com/indepth/features/2012/02/201221315020166516.html

Die aktuellste Angabe der toten „Zivilisten“ beziffert die Zahl auf etwa 17,300:
http://www.nowlebanon.com/NewsArchiveDetails.aspx?ID=430099

Eine schätzweise Extrapolation dieser Zahl lässt eine Aktualisierung auf 18,000 Menschen realistisch erscheinen. Um die Zahl der tatsächlichen Zivilisten unter diesen 18,000 Toten zu schätzen mache ich Quervergleiche zu anderen, zumindest teilweise vergleichbaren Konflikten. In aller Regel kann davon ausgegangen werden, dass eine reguläre Armee – erst recht auf heimischem Boden –  aufgrund grösserer Personalstärke, besserer Organisation, Rückgriffs auf meist mehrere Geheimdienste, Besitzes schwerer Waffen, Luftüberlegenheit, etc. ihrem Gegner deutlich mehr Verluste zufügt als sie selbst erleidet.
Folgende Quoten/Verhältniszahlen existieren:

Für Syrien halte ich ein Verhältnis von 1:1,75 für realistisch, d.h dass auf jeden toten der Regimestreitkräfte „1,75“ tote Rebellen kommen. Das würde bedeuten, dass „statistisch“ ca. 17,500 Rebellen getötet worden sein müssten. Es blieben also „lediglich“ 500 Tote, die man wirklich als Zivilisten bezeichnen könnte. So unnötig und bedauerlich auch jeder einzelne (zivile) Tote ist, von einem Massaker bzw. sogar Völkermord kann absolut nicht gesprochen werden. Diese geschätzte Zahl ist sehr wahrscheinlich nicht ganz richtig. Sie verdeutlicht aber, dass entgegen der sehr einparteiischen und hetzerischen Berichterstattung die syrische Armee keine systematischen grossen Massaker an der Zivilbevölkerung begeht. Es stellen sich zudem folgende Fragen:

  1. Wieviel Prozent der zivilen Toten gehen auf das Konto des Regimes und wieviel sind Opfer der Rebellen?
  2. Wieviele dieser Menschen sind gezielt von einer der beiden Konfliktseiten getötet worden und wieviele sind „Kollateralschäden“?

Auch die vergleichsweise sehr hohen Verlustzahlen der Regimeseite verstärken nicht den Verdacht vorsätzlicher, rücksichtsloser Tötung von Zivilisten. Hätte die blutrünstige und nichtdifferenzierende Absicht bestanden soviele Zivilisten wie möglich zu töten, weil man ihnen pauschal Nähe zu den Rebellen unterstellte, hätte das Regime viel früher im Konflikt und wesentlich massiver die Luftwaffe einsetzen müssen. Im Gegenteil zeigen die hohen Verluste des Regimes an Mann und Material, dass die Armee auf das sichere grossflächige  Fernbombardement feindlich eingestufter ziviler Gebiete weitestgehend verzichtet hat und stattdessen sich in unmittelbare Nähe von Rebellenstellungen begeben hat.

Warum der „Annan-Plan“ scheiterte: Die inoffizielle Begründung

Folgt man der Berichterstattung der meisten „Mainstream-Medien“ (inklusive der öffentlich-rechtlichen „Quellen“), so scheiterte Kofi Annans 6-Punkte Plan zur Befriedung Syriens fast gänzlich an der syrischen Regierung.

Es gibt aber andere, abweichende Fakten, die man aber offenbar gerne ausklammert:

  • Wie inzwischen bekannt ist hat Obama in etwa zeitgleich mit dem Start von Kofi Annans Initiative „heimlich“ grünes Licht für die Unterstützung der syrischen Rebellen (FSA) gegeben:
    >>> As Reuters reported, President Obama signed a secret order earlier this year—this is, when the U.S. was publicly playing lip service to the Annan peace plan—which permits the “C.I.A. and other U.S. agencies to provide support that could help the rebels oust Assad.” <<<
    http://www.counterpunch.org/2012/08/07/stoking-the-syrian-inferno/
  • Saudi Arabien und Katar sabotierten Annans Plan schon sehr früh, als sie völlig unverhohlen Millionen an USD als „Sold“ (bzw. Lockmittel für syrische „Wackelkandidaten“) sowie zum Kauf von Waffen den syrischen Rebellen bereitzustellen begannen:
    http://www.washingtonpost.com/world/national-security/syrian-rebels-get-influx-of-arms-with-gulf-neighbors-money-us-coordination/2012/05/15/gIQAds2TSU_story.html
    Lediglich eines von offenbar fünf Schiffsladungen an Waffen für die Rebellen wurde vorzeitig entdeckt und (von der libanesischen Marine) beschlagnahmt:
    http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-17885085
    http://www.counterpunch.org/2012/05/04/the-lutfallah-ii-arms-smuggling-scandal/
  • Die Regierungen der Syrien umfassenden Länder (Türkei, Libanon, Jordanien und Irak) waren weitestgehend entweder nicht in der Lage oder nicht gewillt zu verhindern, dass Waffen von ihren Ländern aus nach Syrein eingeschleust werden und (oft nicht-syrische) Kämpfer ihre Grenzgebiete als Plattform für Angriffe auf syrische Streitkräfte und Polizisten sowie als Rückzugsort für anschliessende Fluchtaktionen missbrauchten
  • Kein einziger Punkt im Annan-Plan sah Sanktionen oder sonstige „Strafmassnahmen“ für die Rebellen oder ihre ausländischen Unterstützer vor
  • Das Zurückziehen schwerer Waffen durch die syrische Armee bedeutete, dass (zurück)eroberte Vorposten der Armee in der Nähe von Rebellenhochburgen leichte Beute für die FSA würden, deren mit mittelschweren Waffen (u.a. RPG-Panzerfäuste) ausgestattete Kämpfer speziell in ländlichen Gebieten einerseits deutlich in der Überzahl waren (sind) und andererseits sich aufgrund ihres „zivilen“ Äusseren unauffällig den in der Regel von wenigen wenigen Soldaten bewachten Checkpoints nähern konnten. Dieser erste Punkt des Annan-Plans war – wenn auch eventuell ungewollt – faktisch eine eindeutige Parteinahme für und militärische Bevorteilung der Rebellen. Welcher Logik folgend muss eine sich im Bürgerkrieg befindende Armee, die einer Vielzahl gut bewaffneter Rebellen gegenüber steht, auf ihre besten Trümpfe verzichten? In zig „Erfolgsvideos“ der Rebellen auf Youtube sieht man, wie Kämpfer von Dächern und Fenstern von Wohnhäusern und sonstigen zivilen Gebäuden Panzer und Truppentransporter des Regimes sprengen. Sollte aber ein Panzer oder ein Hubschrauber des Regimes solche Rebellenstellungen beschiessen hiesse es sofort „Assad lässt Wohnviertel bombardieren“. Dass eine Vielzahl der als „Zivilisten“ deklarierten Opfer FSA-Kämpfer sind ist bekannt:
    >>> Every day the opposition gives a death toll, usually without any explanation of the cause of the deaths. Many of those reported killed are in fact dead opposition fighters, but the cause of their death is hidden and they are described in reports as innocent civilians killed by security forces, as if they were all merely protesting or sitting in their homes. Of course, those deaths still happen regularly as well. <<<
    http://www.aljazeera.com/indepth/features/2012/02/201221315020166516.html
  • Wie zu erwarten war waren es die Rebellen, die von den wenigen Tagen als der Annan-Plan zumindest teilweise befolgt wurde profitierten:
    >>> The UN monitoring team says that during the ceasefire „the level of offensive military operations by the government significantly decreased“ while there has been „an increase in militant attacks and targeted killings“. <<<
    http://www.independent.co.uk/opinion/commentators/patrick-cockburn-i-fear-this-terrible-massacre-will-be-the-beginning-of-a-long-civil-war-in-syria-7791348.html
  • Die Rebellen aber auch grosse Kreise der sie unterstützenden westlichen und „golfmonarchischen“ Politiker und Medien mockierten vom ersten Tag den Annan-Plan, dessen Scheitern sie im Voraus fast schon schadenfroh verkündeten. Ein Rebellensprecher ging sogar so weit zu sagen, man fühle sich an keinerlei Absprachen mit dem syrischen Regime mehr gebunden, da man das Regime nicht für legtimen Vertreter des syrischen Volkes halte.
    Darauf lässt sich entgegnen, dass die Umstände der Machterlangung und des Machterhalts der herrschenden Baathpartei gewiss nicht modernen, demokratischen Massstäben entsprechen. Sind denn aber die Rebellen in irgendeiner Weise legitimerer Vertreter des syrischen Volkes? Haben sie eine eindeutige politische oder militärische Führung bzw. eine klar definierte parteipolitische Agenda? Haben sie sich denn irgendwann irgendwo zur Wahl gestellt und demokratisch legitimieren lassen?Solch arrogantes Gabaren der vermeintlich unterlegenen und unterdrückten Seite zeugt von einer eindeutig selbstbewussten, wenig kompromissbereiten Haltung einer Konfliktpartei, die über wesentliche finanzielle und materiell-logistische Unterstützer bzw. Drahtzieher verfügt, die ihr in keinster Weise grünes Licht für Verhandlungen geben. Einigung ist in diesem Szenario offenbar nicht vorgesehen.

Diese einseitige und selbstgerechte Beschuldigungsberichterstattung ist bekannt: Die Kriege gegen den Irak in 1991 und 2003 waren angeblich einzig die Folge der sturen und unkooperativen Haltung Saddam Husseins. Grundsätzlich ist in jedem Konflikt der letzten Jahrzehnte der meistens bereits im Vorfeld ausgemachte und deklarierte Feind des „Westens“ (und seiner lokalen Sympathisanten) ausschliesslich „schlecht“ und an allem üblen schuld:

  1. Im Irak-Iran-Krieg wurden die Iraner als die „bad boys“ porträtiert, obwohl die Iraker den Krieg begannen und später auch chemische Waffen einsetzten.
  2. Den selben Irakern blieb aber nach 1988 (dem Ende des Kriegs mit Iran) nur noch die Rolle des „Schurkenstaats“. Plötzlich wurden bestimmte Worte und Phrasen dauernd gegen den Irak verwendet: „Terror“, „Gräueltat“, „Provokation“…